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Johannes - Versuch einer Ehe zu dritt Wolfgang Licht

Johannes - Versuch einer Ehe zu dritt

Wolfgang Licht

Published October 11th 2013
ISBN :
Kindle Edition
431 pages
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 About the Book 

Vor, während und nach den gesellschaftlichen Veränderungen im Osten Deutschlands vollzog sich das ungewöhnliche Leben jenes Medizinstudenten und späteren Arztes, von dem uns Wolfgang Licht erzählt.Der Kern des Geschehens verleiht dem Buch hierzulandeMoreVor, während und nach den gesellschaftlichen Veränderungen im Osten Deutschlands vollzog sich das ungewöhnliche Leben jenes Medizinstudenten und späteren Arztes, von dem uns Wolfgang Licht erzählt.Der Kern des Geschehens verleiht dem Buch hierzulande das Siegel der Einmaligkeit: Zwischen dem Mann und zwei Frauen entwickelt sich eine eindrucksvolle Beziehung starker seelischer Bindungen und spektakulärer sexueller Dreisamkeit, die als beglückende Erweiterung der Persönlichkeit erlebt wird. Dennoch kann das Unheil nicht ferngehalten werden, was schließlich zu einem tragischen Schicksal der »menage á trois« führt.Leseprobe:All diese Reden waren wohl nur ein Mittel, um das, was sie im Augenblick fühlten, auch das Warten auf etwas, zu verdrängen. Nun schwiegen sie wieder. Sehr lange.Im Atelier war es warm, zu warm. Man kann die Heizung nicht abstellen, hatte Judith gesagt. Ab und zu knackte es in den Rohren.Die Flammen der Kerzen brannten ruhig, rauchlos. Die Gesichter der drei waren in einen halbhellen Lichtkreis getaucht. Gelegentlich huschten Schatten darüber, wenn die Flammen der Kerzen durch einen Lufthauch erzitterten.Da sagte Judith, sie habe einen guten Cognac, ägyptischen. - Oh, riefen Mareen und John fast gleichzeitig. Judith holte die Flasche und Gläser. Goss ein. Die warme, dunkle Farbe des Cognacs in den bauchigen Gefäßen. Ein exotisch-würziger Duft mischte sich mit dem Geruch der brennenden Kerzen. - Auf uns, sagte John und räusperte sich. Sie tranken. - Schwer und süßlich, sagte Mareen. Und wieder schwiegen sie.Da meinte John, sie könnten etwas spielen. Zum Beispiel »Lebende Bilder«. Eine Art Krippenspiel, John sagte es im burschikosen Ton. Ort und Zeit sind danach. - Wie meinst du das? - Ich denke an die beiden Bilder- das von Mareen, welches Judith damals gemalt hat, und das von Judith. - Von Judith gibt es auch eins? sagte Mareen. - Meine Kollegin hat es gemalt, sagte Judith, und John war so unverschämt, es sehen zu wollen. - Ach, John hat es schon gesehen, sagte Mareen.Mir gefällt es nicht, erwiderte Judith schnell. - Wir brauchen ja diese Bilder nicht, so John. Ihr müsst sie bloß nachstellen. - Und du, was machst du? - Ich verteile Preise, spiele den Paris. - Ein Theater also, meinte Mareen. - Oder ein Spiel, sagte Judith. - Und wieder Mareen: Wo soll es stattfinden und wie? -Hier, antwortete John rasch, das Atelier ist die Bühne, und ihr seid die Schauspielerinnen, die das Stück aufführen. - Bloß, dass wir kein Stück haben. - Ein Stegreifspiel ist immer am Aufregendsten, meinte John.Ich habe diese Bilder vor Augen, sagte er, ich könnte eure Stellung und Haltung korrigieren, wenn sie falsch wäre. Und zu Judith: Du lagst doch, so weit ich mich erinnere, auf einer Matte. Hast du die noch? - Ja. - Könntest du sie holen? - Judith stand auf, trank aus dem Cognacglas und ging, die Matte zu holen. - Hilfst du mir, rief sie John zu. - Die Matte hing an Schlaufen an der Wand neben den Regalen. John und Judith hoben sie ab und trugen sie in die Mitte des Ateliers. Sie ist breit genug für euch beide, sagte John. Auch Mareen war herangekommen. - Fangt an, forderte John.Judith führte Mareen an der Hand zu der Stelle, wo sie ihre Position einnehmen sollte: diesmal kniend, die Arme hinter dem Nacken verschränkt.Mein Rock ist zu eng, sagte Mareen, das wird nichts. - Das kann ja nichts werden, so John, damals hattet ihr doch nichts an. - Er zwang sich, diese Worte in belanglosem Ton zu sagen. Er ging zum Tisch, nahm ebenfalls einen Schluck Cognac. - Willst du auch einen, er wendete sich an Mareen. - Sie schwieg, sagte dann: So hast du das gemeint.